Die Missionarsstellung

Die Aufklärung steht namentlich für das Bestreben neues Wissen zu erlangen und dadurch mit Unwissenheit und offensichtlichen Irrtümern zu brechen. Im Rahmen der sexuellen Aufklärung kommt es jedoch zu einer kontroversen Verwendung dieses Begriffes.

Die Weitergabe von theoretischem Wissen über die Sexualität des Menschen ist mitunter sehr stark von dem einschlägigen Kulturkreis abhängig und zielt primär darauf ab dessen Sexualmoral und dessen Riten zu konservieren. Die Missionarsstellung ist in diesem Kontext ein Begriff der sich auf die kulturelle Angemessenheit der ehelichen Sexualpraktik bezieht, welche der Fortpflanzung dient und nicht dem Spaße wie etwa das Kamasutra.

Bei der Missionarsstellung liegt die Frau mit gespreizten Beinen auf dem Rücken

Bei der Missionarsstellung liegt die Frau mit gespreizten Beinen auf dem Rücken

Biologischer Kontext

Biologisch bezieht sich die Missionarsstellung auf die Praktizierung des Geschlechtsverkehrs durch eine ventro-ventrale Kopulation, die auch als vis a fronte bezeichnet wird. Charakteristisch ist dabei, dass die Frau mit gespreizten Beinen auf dem Rücken liegt und der männliche Sexualpartner von vorn (a fronte) die weibliche Vagina penetriert. Die Missionarsstellung unterscheidet sich dahingehend grundlegend von den Sexualpraktiken im Tierreich und lediglich unter einigen Primaten ist diese Form des Geschlechtsverkehrs verbreitet.

Kultureller Kontext und Positionierung

Im weiteren Sinne wird der Begriff der Missionarsstellung auch aus seinem kultur-historischen Kontext herausgelöst und zur Beschreibung von ventro-ventraler Kopulation bei homosexuellen Sexualpartnern angeführt. Die Missionarsstellung bei homosexuellen männlichen Paaren charakterisiert sich dadurch, dass einer der Partner auf dem Rücken liegt, seine Beine spreizt und diese in die Höhe streckt, wodurch der Akt durch die Stimulation des Anus erfolgen kann. Die Missionarsstellung zweier Frauen unterscheidet sich hinsichtlich der Positionierung der Sexualpartner wenig von der klassischen vis a fronte, wobei die sexuelle Stimulation durch die Tribadie möglich wird. Die Tribadie bezieht sich auf eine sexuelle Praktik zwischen zwei Frauen, welche über das Reiben der äußeren Sexualmerkmale zu einer beidseitigen Stimulation der Klitoris führt.

Namensherkunft

Im Sinne der Aufklärung gilt es hinsichtlich der Namensvergabe jedoch noch einen Mythos zu lüften. Die Missionarsstellung bezieht sich mutmaßlich auf Vorschriften und Regelungen weißer Kleriker bei der Missionierung Afrikas und Südamerikas. Umstritten ist aber, ob es solche Versuche der sexuellen Bekehrung tatsächlich gegeben hat. Direkte Quellen, welche die vis a fronte als Kriterium für die Missionierung von Ureinwohner kennzeichnen, sind nicht existent. Vielmehr geht aus der schriftlichen Überlieferung hervor, dass die Ureinwohner oftmals neue Inspiration aus dem Verhalten von weißen Paaren beziehen konnten und somit die Auslebung ihrer Sexualität erweiterten und neu entdeckten.

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